Archiv der Kategorie: Quer und längs durch Chile

16.02.09: Valparaiso – Bunte Kleckse am Pazifik

Morgens entscheiden wir uns relativ spontan, einen Ausflug zu machen. Ins nahe Valparaiso am pazifischen Ozean soll es gehen. Nach einem späten Z’Morge begeben wir uns auf die Suche nach dem richtigen Busbahnhof. Das ist gar nicht so einfach. Es gibt nämlich gegen derer vier in Santiago. Die sind zwar nah beieinander, aber manchmal unterbricht die Beschilderung, so dass wir uns ein paar Mal verfransen, obwohl wir sehr nah davor stehen.

Mittlerweile ist es schon nach zwölf Uhr Mittag und mich, aber auch Martin verlässt die Lust. Lohnt sich überhaupt noch eine zweistündige Fahrt mit dem Bus? Und vor allem eine ebenso lange Rückfahrt? Als wir am Busbahnhof ankommen, sieht es noch düsterer aus: Riesige Warteschlangen stehen vor den Schaltern der beiden Hauptgesellschaften Pullmannbus und Tourbus. Bei letzterem Unternehmen stellen wir uns trotzdem an. Erstaunlich schnell und effektiv arbeiten die Leute hinter den Schaltern. Und nach 20 Minuten sind wir dran und haben für 6000 Pesos, umgerechnet 10 Dollar, ein Hin- und Rückfahrtticket mit Sitzplatzreservierung (genau wie im Flugzeug) in der Hand. Abfahrt: 10 Minuten später. Nach Valparaiso fährt alle paar Minuten ein Reisebus.

Nach ca. 100 Minuten kommen wir in der Hafenstadt am Pazifik an und denken, o Gott, was für eine lärmige und umtriebige Stadt. Ich hatte mir eher ein entspannter und ruhiger Badeort vorgestellt. Vom Busterminal gehen wir an einer lauten Strasse voller Geschäfte, in denen trotz Mittagszeit viel los ist Richtung Zentrum. Wir haben Hunger und ich habe im Reisefüher das Café Trulli ausgewählt. Denn dort soll es einen netten Blick haben.

Valparaiso ist berühmt für seine zahlreichen Aufzüge (Lifts). Vom Ende des 19. bis in die 20er-Jahre des folgenden Jahrhunderts wurden zwischen ca. 1880 und 1920 gebaut. Grund: Die Stadt liegt auf vielen steilen Hügeln und die Bürger waren müde, immer den Berg zu ihren Häusern zu besteigen. Autos gab es damals ja noch wenig. Das erinnert ein bisschen an Lissabon.

Also wir den Ascensor Concepción in die Oberstadt nehmen, tauchen wir in eine andere Welt ein: Blau, rot, grün, orange, gelb, lila – in all diesen lustigen und intensiven Farben sind die Häuser der Oberstand feinsäuberlich gestrichen. Im grellen Sonnenlicht ergibt das ein wunderbar knallig-buntes Stadtbild. Ausserdem fahren nur wenige Autos durch die engen und steilen Gassen. Dadurch ist es ist gemütlich ruhig, so dass ein paar streunende Hunde mitten auf der Strasse liegen, um Siesta zu machen.

Im Café Trulli haben wir eine grandiose Sicht auf den geschäftigen Hafen. In der Bucht liegt ein riesiges, vermutlich schwimmendes Trockendock, in dem sich aber kein Schiff befindet. Am Horizont, wenn man die Küste mit dem Augo weiterverfolgt, kann man die Küstenline von Vina del Mar erkennen, dem Hauptbadeort der Santiagoer, die am Wochenende auf der Suche nach der Sommerfrische sind.

Nach leckerem Salat mit Ziegenkäse (bei mir), erkunden wir noch begeistert ein bisschen das Quartier, bevor wir für Kaffe und Kuchen in ein gemütliches, leicht alternativ angehauchten Café Iris direkt an einer Aussichtsterrasse einkehren.

Irgendwie verzocken wir bei lauen Temperaturen bis in den frühen Abend hinein und machen uns auf den Acht-Uhr-Bus (immer noch fahren die Busse beinahe im Zehn-Minuten-Takt nach Santiago und zurück) und lasse Valparaiso hinter uns.

Wir entscheiden uns, abends noch schnell was im Hotel, in der „Italian corner“ zu essen und müssen feststellen, dass das Restaurant im Hotel Torremayor ganz akzeptabel kocht. Ein guter Abschluss für einen sich lohnenden Ausflug.

Einschub: Kein Internet auf Rapa Nui

Leider war es auf der Osterinsel nur ganz schwer moeglich, ins Internet zu kommen. Gerade sind wir zurueckgekommen nach Santiago. In den naechsten Tagen wird der Blog aktualisiert. Versprochen!

15.02.09: Von der Kälte in die Hitze

Vom argentinischen Ushuaia gehen nicht jeden Tag Flüge in die chilenische Hauptstadt. Deshalb konnten wir auch gestern nicht schon weiter. Mir macht das gar nichts, denn ich muss nicht immer „Action“ haben. Dagegen wünschte Verena, dass die Transfertage schneller vorbei gehen. Für sie sind das verschenkte Tage.

Am Morgen geht sie deswegen einen Aussichtspunkt besuchen. Martin und ich trinken in der Stadt einen Tee bzw. einen Kaffee und schreiben Postkarten. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, dies nicht am Ende der Reise zu erledigen. Doch wir befinden uns schon im letzten Drittel – und ferig geworden bin ich noch lange nicht …

Mit dem Taxi geht’s an den Flughafen mit einem hübschen Holzdach. Wir bezahlen die argentinischen Ausreisesteuern und checken uns ein. Obwohl viel zu früh scheucht uns eine LAN-Mitarbeiterin durch die Passkontrolle ans Gate. Dort vertreiben wir uns die Zeit mit Coloretto. Martin hatte sich in aller Windeseile noch einen Snack gekauft, ich habe Hunger.

Der wird an Bord nicht gestillt. Es gibt auf der ersten Etappe, dem kurzen, 40-minütigen Flug nach Punta Arenas nichts zu essen und nichts zu trinken. Auch nach dem Umsteigen bleibt der Hunger. Denn auf dem über 3-stündigen Weiterflug nach Santiago gibt’s nur die übliche Snackbox mit einem Keks, einem Müsliriegel, zwei TicTacs und einem Getränk. Ausgeteilt von Stewardessen, die danach stundenlang vor der Bordtoilette laut schnattern und vor einem reich gedeckten Tisch sitzen. Ich habe keinen Futterneid, aber irgendwie kann ich mir die Frage nicht verkneifen, ob es schmecke und ob wir auch noch eine warme Mahlzeit – so eine wie die ihre kriegen würden. Eine Flight Attendant schaut mich empört an und meint, aber dass sei doch ihr Lunch!

Nun ja, ich empöre mich halt auch und bin vor Hunger sauer. Ich finde bei Flügen, die länger als zwei Stunden gehen, brauchts etwas Gescheites zu essen. Und insgesamt sassen wir ja über 5 Stunden im Flieger! Sonst war ich von LAN immer angetan, dieses Mal hat mich der staatliche Carrier aber ernstlich enttäuscht.

Die Enttäuschung abends hält an. Denn nach dem Check-in im Hotel Torremayor (na ja! Kleine Zimmer im 80er-Jahre-Stil) im Stadtteil Providencia machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant in der Nachbarschaft. Und tappen offenbar in eine Tourifalle. Das Essen ist nicht so doll und nicht günstig. Ausserdem merken wir erst zu spät, dass es sich dabei um ein Karaoke-Lokal handelt, in dem alle Leute offenbar extrem schräg singen.

Aber Santiago hat doch etwas Gutes: Denn es ist Sommer hier! Die warme Kleidung können wir wegpacken. Selbst am Abend sitzen wir in dem Karaoke-Schuppen draussen – und das im kurzärmeligen T-Shirt!

14.02.09: In Argentinien angekommen

In aller Frühe kommen wir in Ushaia an, verabschieden uns nach dem Frühstück von den Luxemburgerlis und anderen Tischnachbarn und verlassen das Schiff. Schon komisch, nach drei Nächten auf dem Schiff schwankt es eine ganze Zeit noch – das bilde ich mir wenigstens ein bisschen ein. Selbst als ich abends im Bett liege, gaukelt mir mein Gleichgewichtsbewusstsein das Schaukeln des Schiffes noch vor.

Doch erst einmal verlassen wir das Schiff. Vier Nächte und dreieinhalb Tage haben wir auf der Via Australis verbracht – irgendwie bin ich aber wieder froh, festen Boden unter den Füssen zu spüren.

In Ushuaia ist schlechtes Wetter. Im Stadtplan, den uns Akzente Reisen mitgegeben hat, ist unser Hotel nur fünf Blocks entfernt eingezeichnet. Trotz Regen entscheiden wir, zu Fuss zu gehen. Leider stimmt der Stadtplan nicht, und au fünf Blocks werden elf. Ausserdem geht es toujours nach oben. Unsere Unterkunft liegt hoch oben auf dem Berg. Mit unserem Gepäck beladen kommen wir dann nass oben an: Von ausen durch den Nieselregen und von innen durch Schweiss. Ausserdem sind wir total fertig. Leider sind unsere Zimmer noch nicht fertig und wir müssen uns in der Lobby die Zeit vertreiben. Ich lese mein einzig mitgebrachtes Buch zu Ende. „Melnitz“ ist die Geschichte einer jüdischen Familie in der Schweiz. Beginnend Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts erzählt Schriftsteller Charles Lewinsky spannend, wie sich die Familie über drei Generationen hinweg entwickelt. Mir gefällt das Buch sehr – ich kann es nur weiterempfehlen.

Aber auch als ich das Buch zuklappe, sind die Zimmer noch nicht parat. So gibt’s halt noch ein paar Coloretto-Runden zu klopfen.

Das Hotel, das von aussen ganz passabel aussieht, entpuppt sich als Flop. Kleine, muffige Zimmer mit uralten Bettdecken und einem hässlichen Bad lassen einen nicht gerade gerne verweilen. Aussen hui, innen pfui. Deshalb zieht es uns nach einer Dusche gleich ins Städtle, das ganz nett ist. Hier gibt es ein paar nette, kleine Geschäfte und Restaurants. Bei Tante Sara freuen wir uns über die leckerste Pasta seit langem. Verena und ich besuchen zwei kleine Museen, in denen Ausstellungsstücke wie ausgestopfte Vögel mit einem Einkaufsladen von vor 150 Jahren und Kanus der ausgerotteten Urbevölkerung mit Fundstücken eines Dampfers zusammengewürfelt werden.

Der Dampfer hiess uebrigens Monte Cervantes und stammte aus Hamburg. In den 20ern erlangte die Feriendampfschiffahrt einen ersten Höhepunkt. Die Monte Cervantes hatte sich zum Programm gemacht, ihren Passagieren zu erschwinglichen Preisen solche Kreuzfahrten zu bieten. Allerdings wurden gleich 1600 Leute auf das Schiff gepackt. Auf jeden Fall ging das Schiff mehr oder weniger im Hafenbecken von Ushuaia unter – eigentlich wollte der Dampfer ja ums Kap Horn. Kein Mensch kam beim Zusammenstoss ums Leben. Alle Passagiere und die Mannschaft wurden in Rettungsbooten versorgt. Als der Kapitän allerdings einige Tage später das immer noch nicht vollständig gesunkene Wrack bestieg, um herauszufinden, wie es um das Schiff stand, wurde er in die Tiefe des Meeres gerissen und ertrank. Eine interessante Geschichte. Ushuaia übrigens hatte damals selbst nur 800 Einwohner, so dass es zu Nahrungsengpässen im Dorf führte.

Ach ja abends waren wir dann noch supergut essen in einem Restaurant, gar nicht weit weg von unserem Hotel, namens Kaupe. Den Tipp haben wir von Reto und Michael, die wir nur ganz knapp verpassen. Denn die beiden guten Freunde waren nur eine Woche vor uns uns da, zurück von einer „kleinen“ Kreuzfahrt in die Antarktis. Sehr lecker Fisch.

13.02.09: Abenteuer Kap Horn-Umschiffung geglückt

Die Dunkelziffer ist noch viel hoeher, gesichert ist aber: Ueber 800 Schiffe sind beim Versuch, das Kap Horn zu umsegegeln oder zu umschiffen auf den Boden der beiden Ozeane, die hier aufeinander treffen, gesunken. Dabei mussten ueber 10.000 Matrosen ihr Leben lassen. Bis heute umranken diesen Ort viele Geschichten, Mythen und Legenden.

Letzte Woche hat es nicht geklappt und die Passagiere der Via Asutralis konnten wegen hohem Seegang und schlechtem Wetter dass Kap Horn nur vom Schiff aus bewundern. Heute klappts – ohne dass das Schiff untergeht! 

In den fruehen Morgenstunden klingelt der Wecker, lange vor dem Fruehstueck sitzen wir bei etwas hoeherem Wellengang als sonst in den Zodiacs und steuern schon die um das Kap liegenden Inseln an. Auf die Isla Hornos selbst darf man nicht; wir hoeren, dass das Gebiet ziemlich vermint sein soll, was noch von den Streitigkeiten zwischen Argentinien und Chile um dieses strategisch wichtige Stuecken Erde heruehrt. Dennoch haben wir – bei Regen – eine einigermassen gute Sicht auf den suedlichsten Zipfel Suedamerikas (55o56′ Sued und 67o19′ West). Mir persoenlich kommt es ziemlich unmythisch vor. Auf einem Boardwalk aus hoelzernen Planken sind die Wege genau vorgeschrieben (kann ich auch verstehen, sonst wuerden die woechentlich zweimal eintreffenden Touristen die ganze Insel zertrampeln) und alles ist beschildert, es gibt einige Denkmaeler zu Ehren von untergegangenen Seeleuten usw. Dennoch versuche ich die raue Stimmung fuer mich zu lokalisieren und die Zeit kurz nach Morgengrauen am Zusammentreffen vom Atlantik und Pazifik zu geniessen.

Zwei Stunden spaeter befinden wir uns wieder im Warmen, holen das Fruehstueck nach. Waehrend sich andere ausruhen, atmen Verena und ich Seemannsgarn. Denn wir werden in die Geheimnisswe der Seemannsknotenkunst eingeweiht. Wir lernen ein paar Tricks, wie sich der eine oder andere andere Knoten ganz einfach knuepfen laesst. Am Anfang etwas verwirrend, dann ists aber lustig.

Martin geht es wieder besser, er vertraegt wieder normale Kost und nimmt wieder regelmaessig an den Mahlzeiten teil. Auch kommt er mit an die Wulaia-Bucht, wo wir in mildem Klima und gruener Vegetation eine kleine Wanderung zu einem Aussichtspunkt unternehmen, bei dem der Blick auf die vielen Inselchen und die Fjorde einfach atemberaubend ist.

Jeden Tag werdem jedem Tisch im Speisesaal ein paar wirklich knifflige Fragen gestellt. Mit vereinten Kraeften und voller Inbrunst haben die Luxemburgerlis, die Romands und wir drei das auch immer gemacht. Bei nautischen Fragen hat Herr Luxemburgerli einfach den Kapitaen angequatscht, wir haben Reisefuehrer gewaelzt oder haben unseren Kellner Edgardo befragt. Dennoch muessen wir zaehndeknirschend einsehen, dass der Einsatz nicht gelohnt hat, am Abend wird – als Teil der Abschiedsfeirlichkeiten, denn der heutige Tag ist der letzte an Bord – der Siegertisch ausgezweichnet. Leider sind wir das nicht. Dennioch: Es hat Spass gemacht. Wir kippen unseren Farewell-Champagner und huschen um elf in unsere Kabinen – wieder einmal zum Koffer- bzw. Rucksackpacken