13.02.09: Abenteuer Kap Horn-Umschiffung geglückt

Die Dunkelziffer ist noch viel hoeher, gesichert ist aber: Ueber 800 Schiffe sind beim Versuch, das Kap Horn zu umsegegeln oder zu umschiffen auf den Boden der beiden Ozeane, die hier aufeinander treffen, gesunken. Dabei mussten ueber 10.000 Matrosen ihr Leben lassen. Bis heute umranken diesen Ort viele Geschichten, Mythen und Legenden.

Letzte Woche hat es nicht geklappt und die Passagiere der Via Asutralis konnten wegen hohem Seegang und schlechtem Wetter dass Kap Horn nur vom Schiff aus bewundern. Heute klappts – ohne dass das Schiff untergeht! 

In den fruehen Morgenstunden klingelt der Wecker, lange vor dem Fruehstueck sitzen wir bei etwas hoeherem Wellengang als sonst in den Zodiacs und steuern schon die um das Kap liegenden Inseln an. Auf die Isla Hornos selbst darf man nicht; wir hoeren, dass das Gebiet ziemlich vermint sein soll, was noch von den Streitigkeiten zwischen Argentinien und Chile um dieses strategisch wichtige Stuecken Erde heruehrt. Dennoch haben wir – bei Regen – eine einigermassen gute Sicht auf den suedlichsten Zipfel Suedamerikas (55o56′ Sued und 67o19′ West). Mir persoenlich kommt es ziemlich unmythisch vor. Auf einem Boardwalk aus hoelzernen Planken sind die Wege genau vorgeschrieben (kann ich auch verstehen, sonst wuerden die woechentlich zweimal eintreffenden Touristen die ganze Insel zertrampeln) und alles ist beschildert, es gibt einige Denkmaeler zu Ehren von untergegangenen Seeleuten usw. Dennoch versuche ich die raue Stimmung fuer mich zu lokalisieren und die Zeit kurz nach Morgengrauen am Zusammentreffen vom Atlantik und Pazifik zu geniessen.

Zwei Stunden spaeter befinden wir uns wieder im Warmen, holen das Fruehstueck nach. Waehrend sich andere ausruhen, atmen Verena und ich Seemannsgarn. Denn wir werden in die Geheimnisswe der Seemannsknotenkunst eingeweiht. Wir lernen ein paar Tricks, wie sich der eine oder andere andere Knoten ganz einfach knuepfen laesst. Am Anfang etwas verwirrend, dann ists aber lustig.

Martin geht es wieder besser, er vertraegt wieder normale Kost und nimmt wieder regelmaessig an den Mahlzeiten teil. Auch kommt er mit an die Wulaia-Bucht, wo wir in mildem Klima und gruener Vegetation eine kleine Wanderung zu einem Aussichtspunkt unternehmen, bei dem der Blick auf die vielen Inselchen und die Fjorde einfach atemberaubend ist.

Jeden Tag werdem jedem Tisch im Speisesaal ein paar wirklich knifflige Fragen gestellt. Mit vereinten Kraeften und voller Inbrunst haben die Luxemburgerlis, die Romands und wir drei das auch immer gemacht. Bei nautischen Fragen hat Herr Luxemburgerli einfach den Kapitaen angequatscht, wir haben Reisefuehrer gewaelzt oder haben unseren Kellner Edgardo befragt. Dennoch muessen wir zaehndeknirschend einsehen, dass der Einsatz nicht gelohnt hat, am Abend wird – als Teil der Abschiedsfeirlichkeiten, denn der heutige Tag ist der letzte an Bord – der Siegertisch ausgezweichnet. Leider sind wir das nicht. Dennioch: Es hat Spass gemacht. Wir kippen unseren Farewell-Champagner und huschen um elf in unsere Kabinen – wieder einmal zum Koffer- bzw. Rucksackpacken

2 Antworten zu 13.02.09: Abenteuer Kap Horn-Umschiffung geglückt

  1. Hallo in den Pazifik
    Dem Autor mein groesster Dank fuer die taeglichen detailierten, lebhaften Reiseschilderungen. Neben Erlebnissen, Land und Leuten auch die Koestlichkeiten der jeweiligen Kueche. Mit Begeisterung zu lesen und erfreut vom allgemein gutem und gelungenem Reiseverlauf Kenntnis zu erhalten. So manches Mal moechte man dabei gewesen sein — sei es bei Sonnenschein und Waerme im Vergleich zu unserem Schmuddelwinter oder bei Meeresfruechten und Sekt anstelle von Kohl- oder Kartoffelsuppe.
    Die besten Wuensche zu gutem Gelingen der letzten Etappe.
    Mit Spannung und Freude die vielen Zeilen gelesen, ein herzliches Dankeschoen und gute Rueckkehr auf die noerdliche Erdhaelfte.

  2. Susanne Winkelmann

    Lieber Markus!
    Ich verfolge – jetzt da ich mich computermässig einmal aufgerafft habe – mit Spannung jeden Eintrag. Was ihr erlebt ist einfach grossartig, und auch bei den Missgeschicken lebt man richtig mit. Gestern ist deine Karte gekommen, danke. Wir sind hier natürlich im KArnevalsrausch. Heute an Weiberfasnacht war eine Sitzung im Kindergarten (Jonas als Krokodil, Simon als Scheich vor dem die Prinzessinnen tanzten und dem sie Luft zufächelten, genau die passende Rolle für unseren kleinen Geniesser), dann stehen noch diverse Züge an, vielleicht sogar der Rosenmontagszug. Mein Kostüm übrigens: rote Plastiklackhose mit weitem Schlag und Masoschnüroberteilchen in schwarz, auf die Nuttenschuhe hab ich aus Rücksicht auf den Kindergarten verzichtet. Heute abend und am Samstag spiele ich in der Düsseldorfer Oper Zigeunerbaron. Es macht total Spass mal wieder im Graben zu sitzen und man kriegt bei der Operette mit ihren Walzern und Texten (mein Lebenszweck ist Borstenvieh und Schweinespeck, das Schreiben und das Lesen ist nie mein FAch gewesen etc) einfach gute LAune, Sänger inbegriffen. Am Samstag kommt dazwischen sogar das Prinzenpaar vorbei mit entsprechendem musikalischem Geschunkel. Bei den Proben hab ich jedesmal am Hbf gut Geld gelassen, Crobag(!!!), Presse. Die Verbindung Dü-Koeln ist einfach schlecht, zu viele Wartezeiten, zum Glück musst du nicht mehr pendeln. Der Roman heisst “Osterinsel” von Birgit(?) Vanderbes, sehr unterhaltsam runterzulesen, ein Mix aus historisch und Gegenwart. So, wahrscheinlich steht ihr jetzt vor den Köpfen….seufz…Mein Traum ist ja eine Weltreise auf den Spuren von Gross-Skulpturen, also Osterinsel, mexikanische Pyramiden, Anchor Wat, Petra. Lasse mich gern auch mäzenieren. Ihr beiden, geniesst jede Einzelheit, viele herzliche Grüsse, alaaf, Susanne

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