Also, so ein richtiger Abenteuertrip ist das hier nicht. Denn die Kabinen auf der Via Australis sind ganz schoen gross und komfortabel. Es gibt keine Gemeinschaftsduschen, sondern jedes Zimmer bietet neben einem Fenster ein eigenes ~ zugegebenermassen ~ kleines Badezimmer mit Dusche, aus der sogar richtig heisses Wasser stroemt.
Ausserdem: An Bord verhungert niemand. Denn dreimal am Tag gibt es warme, meist drei~ bis viergaengige Mahlzeiten, dazwischen Tee mit Keksen oder mal auch ein Stueck Obst. Vor allem die suessen Leckereiein aus Schokolade, Karamel und Baissez, die zum Nachtisch gereicht werden, finden mein grosses Wohlgefallen. Eines ist auf jeden Fall sicher: Nach den Ferien muss ich unbedingt wieder regelmaessiger ins Fitnessstudio, mein Bauchansatz wird immer schlimmer.
Nach dem Fruehstueck ziehen wir uns zum ersten Mal unsere leuchtend orangenen Rettungswesten an und werden mit Zodiacs an Land gefahren. Ebenfalls zum ersten Mal betreten wir also die Insel Feuerland. Wir lernen auf einem Trip durch die Natur viel ueber die Pflanzen~ und Tierwelt, so ueber verschiedene Arten von Suedbuchen , die unterschiedlichen Beeren der Region oder eine besondere Pflanze aus der Rhododendron~Familie, die dem einen oder anderen Seefahrer das Leben gerettet hat. Denn dieser Melodendron (oder so aehnlich) enthaelt in hoher Konzentration das wichtige Vitamin C, das vor Skorbut schuetzt.
Auch die Tierwelt ist ganz spannend, vor allem, weil diese der Mensch gehoerig durcheinander gebracht hat. Vor einigen Jahrzehnten haben ein paar findige Argentinier Biber aus Kanada ins Land gebracht ~ in der Hoffnung auf das Big Business. Erst speater stellte sich heraus, dass das Klima auf Feuerland viel zu mild ist und dass die Qualitaet der Biberfelle deswegen nicht dem Niveau der Kanada~Biber entspricht. Enttaeuscht gaben die Menschen das Geschaeft auf und entliessen die 40 Tiere einfach in die Freiheit. Da diese auf Feuerland aber keine natuerlichen Feinde haben, vermehrten sie sich explosionsartig und frassen viele Waelder ritzeratzekahl. Um ihre Schneidezaehne scharf zu halten, muessen Biber diese staendig wetzen ~ sonst wandern sie Richtung Hirn und die Tiere muessen qualvoll verenden. Was macht der Mensch? Er importiert potenzielle natuerliche Feinde wie Silberfuchs oder spater Wiesel und Marder, um der Population der Biber zu Leibe zu ruecken. Diese interessieren sich in ihrer neuen Umgebung aber ueberhaupt nicht fuer die kleinen Staudaemmebauer, sondern gehen auf die Jagd nach Vogeln, Pinguinen und anderem Getier. Auch eine Kopfgeldrate von 10 Dollar hilft nicht viel, da die Biber hauptsaechlich nachts aktiv sind … Was hat sich der Mensch da mal wieder eingebrockt?
Bei einem Ausflug am Nachmittag erfahren wir etwas ueber die Vogelwelt Feuerlands. Mit den Zodiacs umkreisen wir bei stroemendem Regen, der uns ins Gesicht peitscht, eine Felsinsel, Tucker~Island. Wir schauen den Magellan~Pinguinen beim Watscheln und Schnaebeln zu, beobachten, wie grosse braune Raubmoewen nur drauf warten, wenn sich ein Pinguin verletzt, um sich auf ihn zu stuerzen, oder stauenen darueber, wie sich Kormorane selbst auf dem schmalsten Felsvorsprung noch ein Nest bauen und brueten koennen. Auf der Vogelinsel ist ein dauerndes Geschnatter, Gekraechze und Gepfeiffe. Aber auch Albatrosse und vielen anderen Voegeln, deren Name ich schon wieder vergessen habe, begegnen wir.Trotz etwas widrigenm Wetter doch eine spannnedender Ausfahrt.
Parceval ist ein Guide, der des Deutschen maechtig ist ~ seine Grossmutter wanderte 1922 aus Deutschland aus, strandete am Kap Horn (also ihr Schiff) und blieb in Chile haengen. Sie sorgte dafuer, dass in der Familie nur Deutsch gesprochen wurde. Auch wenn Parceval manchmal ein paar komische Phrasen sagt (“Das Fruehstueck befindet sich schon im Speiseraum ausgegeben …”), ist er doch ein toller Guide, der einem mit viel Enthusiasmus die Geheimnisse Feuerlands vermittelt. Es gibt auch noch Matthias, ein Chilene, der nur Englisch spricht und der mit seiner lockeren Art (hello my friends, believe me or not …”) besonders bei den Amerikanern ankommt. Mit persoenlich ist Parceval viel lieber.
Noch einmal zurueck zum Essen. Bereits am ersten Abend hat die Reederei festgesetzt, wer mit wem an einem der ca. 16 Achter~Tische sitzen wird. Wir haben ein welsches Paar aus Genf am Tisch, das nur franzoesisch spricht sowie ein ungefaehr ebenso altes Paar aus Luxemburg, das sich ohne Probleme sowohl auf Deutsch als auch Franzoesisch verstaendigen kann. Ausserdem gibts da noch “Blue Ribbon” am Tisch, eine Amerikanerin mit blauem Stirnband, die etwas meschugge ist. Sie muss immer etwas anderes essen als die anderen und immer ganz besonders auffallen. Sie erzeahlt mir neben anderem wirren Zeugs, dass sie die Reise nur wegen der Sonnenuntergaenge machen wuerde und schleppt zu jeder Zeit ein riesiges Stativ mit. Wegen des vielen Franzoesisch verlaesst sie uns und wechselt am Abend an einen anderen Tisch, dessen Passagiere sie etwas gequealt aufnehmen.
Neugierig wie ich bin (Martin geniert sich manchmal fuer meine direkten Fragen, findet aber dann meist die Antworten der Leute doch ganz spannend), frage ich die Luxemburger aus, was sie machen etc. Es stellt sich heraus, dass dem Herren die Konfiserie bzw. Konditorei gehoert, aus dem ein Spruengli~Lehrling das Rezept der beruehmt gewordenen Luxemburgerli abgekupfert hat. Der Betrieb ist schon seit fuenf oder sechs Generationen in Familienbesitz. Das ist doch eine kleine Sensation, gell? Wir sitzen mit dem Nachfahren des Erfinders der Original~Luxemburgerlis an einem Tisch! Seitdem heissen die beiden bei uns nur noch die “Luxemburgerlis”. Ich habe nmal ein bisschen gesurft, ich glaube, das ist der Internet/Auftritt der Konfiserie Namur (hier klicken).
Als kleines Betthupferl goennen wir uns noch eine Partie Bingo, die Verena fast gewinnt, und beschliessen den Tag mit einem Pisco Sour.
hoi z’aeme,
nach fuenf tagen buelach geniesse ich wieder eure schöne wohnung mit blick ins schneegestoeber ueber der stadt…und habe eure reise weiterverfolgt. ich wuensche euch einen tollen aufenthalt auf den osterinseln.
un forte abbraccio
helene
Lieber Markus, lieber Martin!
Suserl: Es ist einfach toll, im grauen Alltag so exotische Zwischenrufe zu lesen. Ist euch eigentlich klar, dass es mein Traum ist, 1x im Leben auf den Osterinseln zu sein? Ich bin gelb vor Neid, empfehle euch aber trotzdem gern einen tollen Roman (bzw. bei Mutti auszuleihen).
Jonas: Ich wünsch euch noch eine schöne Reise!Bist du im Urlaub schon mal getaucht? Gefällt es dir im Urlaub? Viele Grüsse wünscht dir Jonas
Lieber Jonas,
ich habe mich sehr ueber Deinen Kommentar gefreut, vielen Dank! Hoffentlich geht es Dir gut, habt Ihr Schnee in Koeln? Getaucht bin ich noch nicht, das Meer ist ziemlich kalt hier ganz im Sueden von Chile. Wir sind hier nur ca. 1800 Kilometer von der Antarktis entfernt, dem kalten und eisigen Kontinent – die Meere sind da auch ganz kalt … Aber morgen geht es auf die Osterinsel, vielleicht wird es da waermer sein. Ich habe aber auf jeden Fall meinen Tauchschein dabei. Vielleicht ergibt sich ein Tauchgang!
Liebe Susanne, welchen Roman empfiehlst Du mir denn? Wusste gar nicht, dass Du auf die Osterinsel so heiss bist. Morgen geht es los. Beim Bloggen bin ich ein bisschen hinterher … kommt dann aber noch! Dicke Umaermelung und Gruesse an alle, Markus