Morgens entscheiden wir uns relativ spontan, einen Ausflug zu machen. Ins nahe Valparaiso am pazifischen Ozean soll es gehen. Nach einem späten Z’Morge begeben wir uns auf die Suche nach dem richtigen Busbahnhof. Das ist gar nicht so einfach. Es gibt nämlich gegen derer vier in Santiago. Die sind zwar nah beieinander, aber manchmal unterbricht die Beschilderung, so dass wir uns ein paar Mal verfransen, obwohl wir sehr nah davor stehen.
Mittlerweile ist es schon nach zwölf Uhr Mittag und mich, aber auch Martin verlässt die Lust. Lohnt sich überhaupt noch eine zweistündige Fahrt mit dem Bus? Und vor allem eine ebenso lange Rückfahrt? Als wir am Busbahnhof ankommen, sieht es noch düsterer aus: Riesige Warteschlangen stehen vor den Schaltern der beiden Hauptgesellschaften Pullmannbus und Tourbus. Bei letzterem Unternehmen stellen wir uns trotzdem an. Erstaunlich schnell und effektiv arbeiten die Leute hinter den Schaltern. Und nach 20 Minuten sind wir dran und haben für 6000 Pesos, umgerechnet 10 Dollar, ein Hin- und Rückfahrtticket mit Sitzplatzreservierung (genau wie im Flugzeug) in der Hand. Abfahrt: 10 Minuten später. Nach Valparaiso fährt alle paar Minuten ein Reisebus.
Nach ca. 100 Minuten kommen wir in der Hafenstadt am Pazifik an und denken, o Gott, was für eine lärmige und umtriebige Stadt. Ich hatte mir eher ein entspannter und ruhiger Badeort vorgestellt. Vom Busterminal gehen wir an einer lauten Strasse voller Geschäfte, in denen trotz Mittagszeit viel los ist Richtung Zentrum. Wir haben Hunger und ich habe im Reisefüher das Café Trulli ausgewählt. Denn dort soll es einen netten Blick haben.
Valparaiso ist berühmt für seine zahlreichen Aufzüge (Lifts). Vom Ende des 19. bis in die 20er-Jahre des folgenden Jahrhunderts wurden zwischen ca. 1880 und 1920 gebaut. Grund: Die Stadt liegt auf vielen steilen Hügeln und die Bürger waren müde, immer den Berg zu ihren Häusern zu besteigen. Autos gab es damals ja noch wenig. Das erinnert ein bisschen an Lissabon.
Also wir den Ascensor Concepción in die Oberstadt nehmen, tauchen wir in eine andere Welt ein: Blau, rot, grün, orange, gelb, lila – in all diesen lustigen und intensiven Farben sind die Häuser der Oberstand feinsäuberlich gestrichen. Im grellen Sonnenlicht ergibt das ein wunderbar knallig-buntes Stadtbild. Ausserdem fahren nur wenige Autos durch die engen und steilen Gassen. Dadurch ist es ist gemütlich ruhig, so dass ein paar streunende Hunde mitten auf der Strasse liegen, um Siesta zu machen.
Im Café Trulli haben wir eine grandiose Sicht auf den geschäftigen Hafen. In der Bucht liegt ein riesiges, vermutlich schwimmendes Trockendock, in dem sich aber kein Schiff befindet. Am Horizont, wenn man die Küste mit dem Augo weiterverfolgt, kann man die Küstenline von Vina del Mar erkennen, dem Hauptbadeort der Santiagoer, die am Wochenende auf der Suche nach der Sommerfrische sind.
Nach leckerem Salat mit Ziegenkäse (bei mir), erkunden wir noch begeistert ein bisschen das Quartier, bevor wir für Kaffe und Kuchen in ein gemütliches, leicht alternativ angehauchten Café Iris direkt an einer Aussichtsterrasse einkehren.
Irgendwie verzocken wir bei lauen Temperaturen bis in den frühen Abend hinein und machen uns auf den Acht-Uhr-Bus (immer noch fahren die Busse beinahe im Zehn-Minuten-Takt nach Santiago und zurück) und lasse Valparaiso hinter uns.
Wir entscheiden uns, abends noch schnell was im Hotel, in der „Italian corner“ zu essen und müssen feststellen, dass das Restaurant im Hotel Torremayor ganz akzeptabel kocht. Ein guter Abschluss für einen sich lohnenden Ausflug.