22.02.2011: Einbalsamierte Leichen und eine grüne Mango

Zu unserem Hotelzimmer muss ich noch etwas sagen: Es ist nicht im kolonialen Stil gehalten wie das Relax-Zimmer, sondern ist modern eingerichtet. Unser Freund Hendrik aus Hamburg hätte seine Freude daran. Denn Laura Ashley lässt herzlich grüssen. Allerdings wäre der wunderbare, glänzende Holzdielenboden ihm wahrscheinlich zu dunkel. Gross ist das Zimmer auch. Der Hammer ist das hinter zwei Spiegeltüren versteckte Badezimmer, das – haltet Euch fest – knallrot gekachelt ist. Sensationell.

Jetzt aber Schluss mit der Schwärmerei übers Hotelzimmer. Heute ist Kultur angesagt: Nur bis um 10.15 Uhr ist Einlass beim wichtigsten nationalen Denkmals Vietnams, dem Ho Chi Minh-Mausoleum. In einem monumentalen tempelähnlichen neoneoklassizistischen Marmorgebäude liegt der einbalsamierte Körper des Revolutionsführers, der für das Land so wichtig war und bis heute ist. Wie einst Lenin wird er von den Vietnamesen verehrt. Weil es so viel sozialistisch-kommunistische Bauwerke immer weniger gibt, bin ich neugierig und gespannt.

Im Reiseführer steht etwas von einer riesiger Schlange vor dem Eingang, was auch für den heutigen Tag zutrifft und von Martin mit einem etwas langen Gesicht “kommentiert” wird. Doch seine Miene hellt sich schnell auf. Denn wie bisher alles in Vietnam, ist auch dies hier perfekt durchorganisiert und klappt wie am Schnürchen. Rasch kommen wir vorwärts und nähern uns, nachdem wir Kameras abgegeben haben, der beinahe heilig zu nennenden Säulenhalle. In weisser Uniform stehen Soldaten mit ernsten Gesichtern am Weg und passen auf, dass die Menge in geordneten Zweikonstellation dem Leichnam entgegen tritt. Ausserdem weisen sie Touristen zurecht, die ihre Hände in den Taschen haben, Kopfbedeckungen tragen, laut reden oder gar kichern und die zu langsam gehen.

In der Halle, die heruntergekühlt auf ca 17 Grad ist, geht’s dann auch schnell: Sechs Soldaten stehen um den Glassarg und bewachen eine gelblich schimmernde, in vietnamesischer Einheitstracht gekleidete Leiche mit Ziegenbärtchen. Ehrlich gesagt könnte der Leichnam auch eine Puppe oder Wachsfigur sein. Ich gucke mir das genauer an, verfalle in einen Schlendergang und werde deswegen aber sofort von einem Soldaten zum Weitergehen angepfiffen. Der Spuk ist nach ca zwei Minuten vorbei und wir sind wieder draussen.

Es wimmelt von Touris, auch von einheimischen und ich schaffe es, Martin zum Anschauen von weiteren Überbleibseln Ho Chi Minh zu bringen, so einem bescheidenen Stelzenhaus, in dem er gelebt haben soll oder seinem Fuhrpark, der aus zwei alten sowjetischen Limousinen sowie einem Peugeot 504 bestand.

Martin lächelt über die Bemerkung eines Touristenguides, der zu den Einzelbetten im Stelzenhaus anmerkt, dass der grosse Revolutionsführer nie mit einer Frau zusammengewesen sei, weil er mit der Revolution verheiratet gewesen sei …

Ein paar Fotos später, die wir vom riesigen Aufmarschfeld vor dem Tempel machen, setzen wir uns erst einmal in ein Cafė und nehmen eine Erfrischung zu uns. D
Wir gehen zurück in die Stadt durchs Botschaftenviertel und stossen zufälligerweise auch auf die deutsche, die sich relativ bescheiden ausnimmt im Gegensatz zu anderen wie der rumänischen oder indischen, die in riesigen kolonialen Villen untergebracht sind.

Obwohl Millionenstadt, sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Gehweite zueinander. Denn wir landen wieder in der Altstadt und lassen uns im Gassengewirr umhertreiben. Von der Sonnenbrillenstrasse zur Gasse mit Plastikblumen, vom Weg mit goldenem Messinggeschirr zur Schneiderstrasse …

Am Nachmittag gehen wir Richtung Hotel, um unsere Einkäufe wie Bambusschalen und -töpfe und Lotustee abzulegen und ein kurzes Schläfle zu halten.

Als wir gegen vier wieder loswollen, melden sich Adrian und Alessandro, die auf dem Weg in unser Hotel zum High Tea sind. Wir warten auf sie und nehmen noch einen Salat gemeinsam ein – das reichhaltige Schoggibuffet geht heute einfach nicht mehr rein.

Unser zauberhafter Concierge des Sofitels hat uns auf unser Bitten Tickets für das berühmte Wasserpuppentheater organisiert, kurzfristig sogar für die beiden anderen Jungs.

Das Theater und die komplette Darbietung ist eine ziemliche Touristengeschichte, ist aber dennoch witzig. In einem Wasserbassin treten verschiedene Holzpuppen auf und erzählen verschiedene kleine Geschichtchen, wie der Kampf mit einem Drachen, oder der Reisernte. An unsichtbaren Seilen und Gestängen, die verborgen vom Wasser sind, werden die Puppen geführt (ist natürlich nur meine Vermutung, da eigentlich strengstens geheim!).

Martin und ich sitzen in der ersten Reihe und bekommen alles hautnah mit. Wir kommen manchmal ins Schmunzeln, weil alles sehr einfach und platt ist. Aber es ist dennoch interessant. Die Reisbauern im Norden haben das Wasser, in dem sie tagtäglich arbeiteten, vor Jahrhunderten als Bühne entdeckt und hatten die Idee dafür.

Obwohl wir nicht immer alle Einzelheiten verstehen, ist es recht kurzweilig, da das Theaterspiel von einem kleinen Orchester und Sängerinnen begleitet wird und für asiatisches Flair sorgt.

Nach einem Apėro im einschlägigen Etablissement GC-Club (enttäuschend, aber vielleicht waren wir auch zu früh, was bedeutet nochmal “GC”? ;-)), landen wir im “Green Mango”, einem recht edel wirkenden Restaurant. Andere Gaststätten haben schon zu – in Vietnam wird früh zu Abend gegessen. In diesem schicken Teil essen wir fast ein bisschen westlich, Martin freut sich über das stylische WC… Wir gehören zu den letzten Gästen, als wir das Restaurant um halb elf verlassen.

Von hier an trennen sich unsere Wege endgültig: Alessandro und Adrian haben Ausflüge in die Halong-Bucht und dem Äquivalent auf Landseite gebucht, während uns der nächste Tag aus der Kühle Hanois in die Wärme des Südens bringen soll.

Was die Halong-Bucht angeht, die ich ja unbedingt sehen wollte, haben wir uns schweren Herzens dagegen entschlossen – nicht wegen des tragischen Unfalls eines Touristenbootes, bei dem ein paar Tage vorher zwölf Menschen umgekommen sind, sondern wegen des schlechten Wetters. Martin verspricht mir aber, dass er mich zum 50. Geburi wieder nach Vietnam bringt, um das nachzuholen. In Business natürlich mindestens. :-)))

21.02.2011 Wieder in der Hauptstadt

Um halb fünf klappert es an unsere Abteiltür: Die Schaffnerin deutet damit an, dass wir in Kürze an unserem Zielort angekommen werden. Der heisst Hanoi, welche die offizielle Hauptstadt des Landes ist.

Wieder ist alles perfekt organisiert: Wir werden abgeholt – vom gleichen jungen Vietnamesen, der uns schon zum Zug gebracht hat. Er fährt uns ins Sofitel Metropole, DAS Fünf-Sterne- Haus am Platz, im kolonialen Stil. Trotz der unchristlichen Uhrzeit werden wir freundlich empfangen. Wir kriegen ein Zimmer, damit wir “a little rest” und eine Dusche nehmen können. Dieses Zimmer mit alt-französischem Ambiente geniessen wir sehr.

Bereits um sieben sitzen wir am Frühstück. Und hier gibt es alles, was das Herz begehrt: Croissants, Müesli, Käse, Eier in allen erdenklichen Varianten, eine Vielzahl von leckeren Teesorten, Früchte, Kuchen und und und. Wir sitzen in einer Art Wintergarten und geniessen den Luxus.

Frisch gestärkt geht’s auf Entdeckungstour durch Hanoi. Wir lassen uns treiben in den Gässchen der Altstadt. Wir sehen unglaublich vieles und haben all dies auch zu verarbeiten. Auffallend ist, dass mehr Autos unterwegs sind und alles ein klein wenig geschäftiger zugeht, fast habe ich das Gefühl, die Menschen sind etwas ernster als in Saigon. Vielleicht liegts aber auch am Wetter. Wir haben vielleicht 16 Grad, es ist feuchtelig-neblig. Zwar frisch, aber zum Tragen von Daunenjacken, wie es die Einheimischen tun, ist es eindeutig zu warm.

Gegessen wird auch hier ständig, auf der Strasse, meistens auf Mini- Plastik-Kinderstühlchen sitzend. Wie ein Blick auf die Teller sagt, gibt es Reis mit frischem Gemüse und Fleisch sowie heisse Suppen, meist mit Nudeln. Alles wird frisch auch auf der Strasse zubereitet und sieht gut aus. Martin kriegt vor lauter Appetit Stielaugen, ich bin aber noch nicht so weit, dass ich von Garküchen essen kann.

Weil wir wegen der kurzen Nacht im Zug ein wenig matt fühlen, legen wir uns im Hotel etwas aufs Ohr – die Distanzen sind ja nicht soo riesig. Um halb vier heisst es dann High Tea im Sofitel Legrand Metropol! Und weils so schön ist, buchen wir gleich das Chocolat Buffet mitdazu. Das ist unglaublich: Ein riesiges Schokoladenbuffet mitten in Hanoi, einschliesslich Schokoladenbrunnen, Pralinės, Marshmallows, Mousse au Chocolat, weissem und dunklem Glace, Scones, Kuchen … Ich bin stillos und hole mir fünf Mal (!) einen vollen Teller Süsses! Es ist aber auch soooooooo verlockend!

Abends treffen wir uns mit Adrian und Alessadro, einem Pärchen aus der Schweiz, die Martin flüchtig kennt und die am Nachmittag angekommen sind. Adrian ist Lehrer in der Sekundarstufe, Alessandro arbeitet im Marketing der Credit Suisse und organisiert Parties an der Pfingstweide. Erst treffen wir uns in der Avalon-Lodge, von wo wir einen Ausblick auf den Hoan Kiem-See und
die darin stehende Pagode haben. Danach gibts noch ein Nachtessen, bei dem ich nach der nachmittäglichen Schokoladenorgie aber keinen Bissen mehr runterkriege.

Müde gehen wir zur Ruh und fallen schon früh in den Schlaf unseres Nobelzimmers im neuen Flügel des Hotels.

20.02.2011: Nebel, Nebel, Nebel an der Grenze zu Vietnam

Auch heute herrscht dickster Nebel, der uns eine Aussicht auf die tolle Reisterrassenfelderlansscgaft verwehrt. So bleibt uns nur, die Fotos an den Wänden zu bestaunen, die gerade diese Ausblicke festhalten. Wir ziehen aus unserem schönen Zimmer aus und machen es uns in der geheizten Rattan-Lounge gemütlich und “sind” einfach nur: Lesen ist angesagt und iphonen, es gibt ja hier WLan… Um drei geht dann der Shuttle-Bus nach Sa Pa. Vielleicht kommen wir ja nochmal zu einer anderen Jahreszeit hierher… Wer weiss.

19.02.2011: Wo sind die Reisterrassen?

Wir haben recht gut geschlafen in unserem Zug von Hanoi nach Lao Cai. Morgens um fünf kratzt der Schaffner an unsere Abteiltür und bedeutet uns, dass in einer halbe Stunde der Zielort erreicht wird. Wir ziehen unsere Thai Airways-Schlafanzüge aus, schlüpfen in unsere Strassenklamotten, trinken einen Nescafé (Martin) und einen bappsüssen heissen Lipton Eistee (ich) und verlassen bei Dunkelheit den Zug.

Lao Cai liegt 8 Kilometer von der Grenze zu China entfernt, unser Ziel heisst heute aber nicht China, sondern eine einsame Lodge in den Bergen. Von einem Fahrer eben dieser Topas Ecolodge werden wir gleich am Bahnhof in Empfang genommen. Die Straße geht bergauf, uns kommen viele Velofahrerinnen und -fahrer entgegen, die beladen wahrscheinlich auf den Markt möchten, um Gemüse, Obst und andere Waren zu verkaufen. Es ist neblig. Hoffentlich nur der Morgendampf. Es ist kühler als in Hanoi …

Nach eineinhalb Stunden Fahrt durch zum Teil ziemlich matschige und dreckige Dörfer kommen wir schliesslich an – inzwischen ist es zwar hell, aber noch immer neblig. Bevor wir unser Zimmer um 9:30 Uhr beziehen können, gibt’s erstmal Frühstück – das beste bisher in Vietnam: Reisporridge mit Kräutern, noch heisses frisches Brot, Müesli, Melonen, Mango, Birnen, Mandarinli, und ganz besonders lecker: Pfannkuchen mit heissem Früchtekompott.

Die Lodge ist wunderbar, ich fühle mich sehr wohl. Unser Zimmer entpuppt sich als eigener strohgedeckter Bungalow mit grossem Wohnbereich und einem grossen Bad – sogar mit eigenem Heizkörper. Alles sehr geschmackvoll eingerichtet, aber trotzdem zweckvoll. Wir nehmen erst mal eine heisse Dusche, wir sind ein bisschen durchgefroren, draussen hat’s vielleicht nur zehn, fünfzehn Grad.

Gegen Mittag wollen wir einen Trail mit einem Führer machen, leider wird der Ausflug abgesagt wegen eines Erdrutsches auf der Strecke. So wagen wir auf eigene Faust den so genannten “Buffolo Trail”, einen 45-minütigen Marsch rund um die Lodge. Es ist total matschig, man kommt schlecht voran. Ein paar wenige Male lichtet sich der Nebel leicht und wir können die grossartige Landschaft erahnen, in der die Lodge steht: Steile Berge abwärts, aufgegliedert in zahllose schmale Terrässchen, die sich entlang der Berge schlängeln und in denen der Reis angebaut wird. Allerdings ist davon momentan nichts zu sehen: Die Anbauzeit ist von Mai bis Mitte Oktober. Dann muss es wunderbar aussehen: die frischen grünen Pflänzchen im Wasser … Vielleicht erleben wir das ja mal wann anders.

Zurück zur Realität: wir sind im Matsch unterwegs, uns sind zwei hartnäckige Red Dao-Frauen auf den Fersen, weil sie uns etwas Handgesticktes und -genähtes verkaufen wollen. Wir beeilen uns, dass sie uns nicht erwischen. Doch leider bleibt mein Schuh im Morast stecken. Verloren. Red Dao ist übrigens ein Bergvolk, dass sich dadurch auszeichnet, dass die Frauen knallrote Kopftücher tragen. Irgendwie erinnern sie mich an die Otavalo-Indio-Frauen aus Ecuador.

Nach einer Weile finde ich heraus, dass sie vor allem Kindersachen verkaufen. Also muss ich mein Alter etwas nach oben setzen und erzählen, dass meine sechs Kinder bereits erwachsen sind, aber noch keine eigenen Kinder haben. Mit einem erstaunten “Ohh” und “Ahh” verlieren sie das Interesse an uns. Plötzlich und schnell.

Unser Ausflug zeigt uns, dass ein längerer Treck keinen Spass machen würde und wir machen es uns in der Lounge gemütlich.

Das Abendessen ist auch klasse: Tandori-Chicken, Kolrabisalat, Kürbis-Ingwer-Suppe, Schrimps in Bierteig, lokale Broccoli-Blätter und Dolden sowie Früchte.

Abends erfahren wir, dass die Lodge in dänisch-vietnamesischen Händen ist. Der Geschäftsführer ist ein Däne, der zwar nett ist, der aber nicht die Wärme eines “Gastgebers” ausstrahlt, wie das zum Beispiel unsere Freundin Helene in ihrem Guest House in Ghana tat.

16.02.09: Valparaiso – Bunte Kleckse am Pazifik

Morgens entscheiden wir uns relativ spontan, einen Ausflug zu machen. Ins nahe Valparaiso am pazifischen Ozean soll es gehen. Nach einem späten Z’Morge begeben wir uns auf die Suche nach dem richtigen Busbahnhof. Das ist gar nicht so einfach. Es gibt nämlich gegen derer vier in Santiago. Die sind zwar nah beieinander, aber manchmal unterbricht die Beschilderung, so dass wir uns ein paar Mal verfransen, obwohl wir sehr nah davor stehen.

Mittlerweile ist es schon nach zwölf Uhr Mittag und mich, aber auch Martin verlässt die Lust. Lohnt sich überhaupt noch eine zweistündige Fahrt mit dem Bus? Und vor allem eine ebenso lange Rückfahrt? Als wir am Busbahnhof ankommen, sieht es noch düsterer aus: Riesige Warteschlangen stehen vor den Schaltern der beiden Hauptgesellschaften Pullmannbus und Tourbus. Bei letzterem Unternehmen stellen wir uns trotzdem an. Erstaunlich schnell und effektiv arbeiten die Leute hinter den Schaltern. Und nach 20 Minuten sind wir dran und haben für 6000 Pesos, umgerechnet 10 Dollar, ein Hin- und Rückfahrtticket mit Sitzplatzreservierung (genau wie im Flugzeug) in der Hand. Abfahrt: 10 Minuten später. Nach Valparaiso fährt alle paar Minuten ein Reisebus.

Nach ca. 100 Minuten kommen wir in der Hafenstadt am Pazifik an und denken, o Gott, was für eine lärmige und umtriebige Stadt. Ich hatte mir eher ein entspannter und ruhiger Badeort vorgestellt. Vom Busterminal gehen wir an einer lauten Strasse voller Geschäfte, in denen trotz Mittagszeit viel los ist Richtung Zentrum. Wir haben Hunger und ich habe im Reisefüher das Café Trulli ausgewählt. Denn dort soll es einen netten Blick haben.

Valparaiso ist berühmt für seine zahlreichen Aufzüge (Lifts). Vom Ende des 19. bis in die 20er-Jahre des folgenden Jahrhunderts wurden zwischen ca. 1880 und 1920 gebaut. Grund: Die Stadt liegt auf vielen steilen Hügeln und die Bürger waren müde, immer den Berg zu ihren Häusern zu besteigen. Autos gab es damals ja noch wenig. Das erinnert ein bisschen an Lissabon.

Also wir den Ascensor Concepción in die Oberstadt nehmen, tauchen wir in eine andere Welt ein: Blau, rot, grün, orange, gelb, lila – in all diesen lustigen und intensiven Farben sind die Häuser der Oberstand feinsäuberlich gestrichen. Im grellen Sonnenlicht ergibt das ein wunderbar knallig-buntes Stadtbild. Ausserdem fahren nur wenige Autos durch die engen und steilen Gassen. Dadurch ist es ist gemütlich ruhig, so dass ein paar streunende Hunde mitten auf der Strasse liegen, um Siesta zu machen.

Im Café Trulli haben wir eine grandiose Sicht auf den geschäftigen Hafen. In der Bucht liegt ein riesiges, vermutlich schwimmendes Trockendock, in dem sich aber kein Schiff befindet. Am Horizont, wenn man die Küste mit dem Augo weiterverfolgt, kann man die Küstenline von Vina del Mar erkennen, dem Hauptbadeort der Santiagoer, die am Wochenende auf der Suche nach der Sommerfrische sind.

Nach leckerem Salat mit Ziegenkäse (bei mir), erkunden wir noch begeistert ein bisschen das Quartier, bevor wir für Kaffe und Kuchen in ein gemütliches, leicht alternativ angehauchten Café Iris direkt an einer Aussichtsterrasse einkehren.

Irgendwie verzocken wir bei lauen Temperaturen bis in den frühen Abend hinein und machen uns auf den Acht-Uhr-Bus (immer noch fahren die Busse beinahe im Zehn-Minuten-Takt nach Santiago und zurück) und lasse Valparaiso hinter uns.

Wir entscheiden uns, abends noch schnell was im Hotel, in der „Italian corner“ zu essen und müssen feststellen, dass das Restaurant im Hotel Torremayor ganz akzeptabel kocht. Ein guter Abschluss für einen sich lohnenden Ausflug.

Einschub: Kein Internet auf Rapa Nui

Leider war es auf der Osterinsel nur ganz schwer moeglich, ins Internet zu kommen. Gerade sind wir zurueckgekommen nach Santiago. In den naechsten Tagen wird der Blog aktualisiert. Versprochen!

15.02.09: Von der Kälte in die Hitze

Vom argentinischen Ushuaia gehen nicht jeden Tag Flüge in die chilenische Hauptstadt. Deshalb konnten wir auch gestern nicht schon weiter. Mir macht das gar nichts, denn ich muss nicht immer „Action“ haben. Dagegen wünschte Verena, dass die Transfertage schneller vorbei gehen. Für sie sind das verschenkte Tage.

Am Morgen geht sie deswegen einen Aussichtspunkt besuchen. Martin und ich trinken in der Stadt einen Tee bzw. einen Kaffee und schreiben Postkarten. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, dies nicht am Ende der Reise zu erledigen. Doch wir befinden uns schon im letzten Drittel – und ferig geworden bin ich noch lange nicht …

Mit dem Taxi geht’s an den Flughafen mit einem hübschen Holzdach. Wir bezahlen die argentinischen Ausreisesteuern und checken uns ein. Obwohl viel zu früh scheucht uns eine LAN-Mitarbeiterin durch die Passkontrolle ans Gate. Dort vertreiben wir uns die Zeit mit Coloretto. Martin hatte sich in aller Windeseile noch einen Snack gekauft, ich habe Hunger.

Der wird an Bord nicht gestillt. Es gibt auf der ersten Etappe, dem kurzen, 40-minütigen Flug nach Punta Arenas nichts zu essen und nichts zu trinken. Auch nach dem Umsteigen bleibt der Hunger. Denn auf dem über 3-stündigen Weiterflug nach Santiago gibt’s nur die übliche Snackbox mit einem Keks, einem Müsliriegel, zwei TicTacs und einem Getränk. Ausgeteilt von Stewardessen, die danach stundenlang vor der Bordtoilette laut schnattern und vor einem reich gedeckten Tisch sitzen. Ich habe keinen Futterneid, aber irgendwie kann ich mir die Frage nicht verkneifen, ob es schmecke und ob wir auch noch eine warme Mahlzeit – so eine wie die ihre kriegen würden. Eine Flight Attendant schaut mich empört an und meint, aber dass sei doch ihr Lunch!

Nun ja, ich empöre mich halt auch und bin vor Hunger sauer. Ich finde bei Flügen, die länger als zwei Stunden gehen, brauchts etwas Gescheites zu essen. Und insgesamt sassen wir ja über 5 Stunden im Flieger! Sonst war ich von LAN immer angetan, dieses Mal hat mich der staatliche Carrier aber ernstlich enttäuscht.

Die Enttäuschung abends hält an. Denn nach dem Check-in im Hotel Torremayor (na ja! Kleine Zimmer im 80er-Jahre-Stil) im Stadtteil Providencia machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant in der Nachbarschaft. Und tappen offenbar in eine Tourifalle. Das Essen ist nicht so doll und nicht günstig. Ausserdem merken wir erst zu spät, dass es sich dabei um ein Karaoke-Lokal handelt, in dem alle Leute offenbar extrem schräg singen.

Aber Santiago hat doch etwas Gutes: Denn es ist Sommer hier! Die warme Kleidung können wir wegpacken. Selbst am Abend sitzen wir in dem Karaoke-Schuppen draussen – und das im kurzärmeligen T-Shirt!